Snacks, die nicht stören (und welche schon)

Fettige Finger auf Spielkarten sind kein Kavaliersdelikt. Eine Abhandlung über das, was auf den Tisch darf und was besser in der Küche bleibt.

Ayla Ayla · · 5 Min. Lesezeit
Illustration: Spieltisch mit Brettspielen, Schüsseln voller Snacks und Getränken

Das Problem

Ich sage es einfach direkt: Stefan hat beim letzten Spieleabend mit Doritos-Fingern eine Dixit-Karte angefasst. Die Karte mit dem Mondhasen, eine meiner Lieblingskarten. Sie hat jetzt einen orangen Fettfleck in der Ecke. Ich bin darüber hinweg. (Bin ich nicht.)

Das war der Moment, in dem ich beschlossen habe, dass wir Snack-Regeln brauchen. Nicht weil ich kontrollsüchtig bin (okay, ein bisschen), sondern weil Brettspiele Geld kosten und Käseflecken auf Karten sich nicht einfach rauswischen lassen. Wer schon mal versucht hat, Schokoladenfingerabdrücke von Azul-Plättchen zu polieren, weiß wovon ich rede.

Das Ding ist: Niemand will einen Spieleabend ohne Snacks. Das wäre wie Kino ohne Popcorn, technisch möglich, aber es fehlt was. Die Frage ist nur, welche Snacks friedlich mit Spielkomponenten koexistieren können und welche eine akute Bedrohung darstellen.

Die Sünder

Fangen wir mit der Anklage an. Nach ungefähr 30 Spieleabenden in den letzten zwei Jahren (darunter auch der legendäre Abend zu zehnt) habe ich eine ziemlich klare Liste von Snacks, die regelmäßig Probleme verursachen.

Chips und alles mit Gewürzpulver. Die offensichtlichsten Übeltäter. Paprika-Chips sind der Erzfeind jeder hellen Spielkarte. Das Pulver klebt an den Fingern, überträgt sich auf Karten, Würfel, Spielbretter, Mitspieler, den Tisch, die Katze. Ich habe mal nach einem Abend mit Nachos Chili-Gewürz auf der Rückseite einer Skull-Scheibe gefunden. Wir hatten die Nachos in der Küche gegessen. Drei Meter vom Spieltisch entfernt. Trotzdem.

Schokolade. Besonders im Sommer ein Problem, aber ehrlich gesagt auch im November, wenn die Heizung läuft und man die Schokolade in der Hand hält, während man überlegt, welche Karte man spielt. Schmelzt. Schmiert. Geht nicht mehr ab.

Alles mit Dip. Hummus, Guacamole, Salsa, Frischkäse-Dip. Einzeln betrachtet wunderbare Lebensmittel. Am Spieltisch ein Desaster. Es tropft vom Gemüsestick auf den Tisch, jemand stellt sein Glas in die Pfütze, dann greift jemand nach den Karten. Marco hat einmal (einmal!) einen Karotten-Stick mit Hummus über dem Spielfeld gehalten. Der Klecks ist auf das Wavelength-Zielfeld gefallen. Direkt zwischen "Überbewertet" und "Unterbewertet". Irgendwie passend, aber trotzdem ärgerlich.

Klebrige Gummibärchen. Überraschend heimtückisch. Man denkt, Gummibärchen sind harmlos. Sind sie nicht. Sie hinterlassen einen dünnen klebrigen Film auf den Fingern, der erst auffällt, wenn die Spielkarten aneinander haften. Haribo-Finger sind schwer zu erkennen und genau deswegen so gefährlich.

Pizza. Die Königin der Spieleabend-Snacks und gleichzeitig die größte Gefahr. Käsefäden, Fettflecken, Tomatensauce. Eine Pizza am Spieltisch ist wie ein offenes Feuer in einer Bibliothek. Theoretisch beherrschbar. Praktisch brennt irgendwann was ab.

Illustration: Hand mit orangen Chip-Fingern greift nach Spielkarten

Was funktioniert

So. Jetzt die guten Nachrichten. Es gibt Snacks, die sich am Spieltisch bewährt haben. Die Kriterien sind simpel: kein Fett, kein Kleben, kein Krümeln (idealerweise), keine Tropfgefahr.

Nüsse (ungewürzt). Der absolute Klassiker. Cashews, Mandeln, Walnüsse. Trockene Hände, kein Abfärben, guter Geschmack. Man kann sie nebenbei essen, ohne den Spielfluss zu unterbrechen. Ein Schälchen Cashews am Spieltisch ist für mich inzwischen Pflicht. Einziger Nachteil: Nuss-Allergien. Vorher fragen, immer.

Salzstangen und Grissini. Trocken, griffig, minimale Krümelgefahr. Salzstangen sind der diplomatische Snack schlechthin, niemand beschwert sich über sie, niemand wird euphorisch, aber sie sind einfach solide da. Die Grissini haben den Bonus, dass sie sich irgendwie erwachsener anfühlen. Keine Ahnung warum, sie sind im Grunde lange Salzstangen.

Weintrauben. Klingt langweilig, funktioniert aber erstaunlich gut. Man nimmt sie am Stiel, kein Hautkontakt mit klebrigen Flächen, sie machen die Hände nicht nass (wenn sie trocken serviert werden). Und sie fühlen sich gesund an, was nach der dritten Runde Skull um Mitternacht ein überraschend gutes Gefühl ist.

Reiscracker. Die japanischen, nicht die aufgepufften aus dem Reformhaus. Trocken, würzig genug um interessant zu sein, und sie hinterlassen nichts auf den Fingern. Gibt es in diversen Geschmacksrichtungen und die meisten davon sind spieltischtauglich.

Popcorn (ungebuttert). Kontroverses Thema in unserer Gruppe. Ich finde, einfaches Popcorn ohne Butter funktioniert. Stefan sagt, Popcorn krümelt zu sehr. Wir haben einen Kompromiss gefunden: Das Popcorn steht etwas abseits vom Spielfeld und man geht hin, isst, wischt die Hände an der Hose ab (Stefan) oder an einer Serviette (alle anderen) und kommt zurück. Funktioniert.

Oliven (mit Schale, mit Schüssel für die Kerne). Überraschend spieltischtauglich, wenn man eine kleine Schüssel für die Kerne bereitstellt. Man fasst sie am Stück an, isst sie, legt den Kern ab. Hände bleiben relativ sauber. Und sie passen gut zu Wein, was bei unseren Abenden regelmäßig ein Faktor ist.

Wer den Spieleabend von Anfang an richtig plant, spart sich übrigens viel Ärger mit der Snack-Frage.

Das Getränke-Thema

Snacks sind die eine Sache, aber das eigentliche Risiko steht meistens in einem Glas direkt neben dem Spielbrett.

Umgekippte Getränke haben mehr Spieleabende ruiniert als jeder Chip-Finger es je könnte. Bei unserem allerersten Spieleabend hat jemand (nein, ich nenne keine Namen) (es war Stefan) ein volles Glas Cola über das Codenames-Spielfeld gekippt. Die Karten waren nicht laminiert. Wir mussten neue kaufen.

Illustration: Umgekipptes Glas auf Spieltisch, Beistelltisch mit sicheren Getränken daneben

Seitdem gelten bei uns drei Regeln:

  1. Deckel drauf. Gläser werden ersetzt durch Flaschen oder Becher mit Deckel. Klingt spießig, rettet Spiele. Thermosbecher sind ideal, die halten warm, kühl, und kippen nicht so leicht um.
  2. Getränke auf den Beistelltisch. Nicht auf den Spieltisch. Nie auf den Spieltisch. Wir haben mittlerweile einen kleinen Beistelltisch neben dem Spieltisch stehen, nur für Getränke. Beste Investition, die wir je gemacht haben (15 Euro bei IKEA, falls es jemanden interessiert).
  3. Rotwein hat Sonderregeln. Weißwein, Bier, Softdrinks, alles kein Drama, wenn mal was daneben geht. Aber Rotwein auf einem hellen Spielbrett oder auf Karten? Unwiederbringlich. Wer Rotwein trinkt, hat das Glas ausschließlich am Beistelltisch.

Unsere Regeln

Nach diversen Vorfällen (der Hummus-Vorfall, die Cola-Katastrophe, Stefans Doritos-Karte) haben sich bei uns Gewohnheiten eingespielt, die ich jedem empfehlen kann:

Snack-Pause statt Snack-Dauerbeschallung. Wir machen zwischen den Spielen eine richtige Pause. Fünf Minuten, Küche, essen, Hände waschen, zurück an den Tisch. Das funktioniert besser als Schüsseln auf dem Spieltisch, die den ganzen Abend stehen. Und ehrlich gesagt sind die Pausen auch gut für die Gespräche. Manche der besten Unterhaltungen passieren in der Küche, während man sich Brot mit Käse schmiert.

Trockene Snacks am Tisch, alles andere in der Küche. Nüsse, Salzstangen und Grissini dürfen auf den Spieltisch. Alles was schmiert, tropft oder klebt, bleibt in der Küche. Klingt streng, aber seit wir diese Regel haben, mussten wir null Spielkarten ersetzen. Null. In einem ganzen Jahr.

Servietten. Überall Servietten. Ich kaufe inzwischen Servietten in Großpackungen. Sie liegen auf dem Spieltisch, in der Küche, auf dem Beistelltisch. Wenn jemand vergisst, sich die Hände abzuwischen, liegt die Lösung buchstäblich vor ihm. Es hilft. Nicht immer (Stefan), aber meistens.

Feuchte Tücher für den Notfall. Klingt übertrieben, ist es nicht. Ein Pack feuchte Tücher in der Schublade neben dem Spieltisch hat uns schon mehrfach gerettet. Schneller als Aufstehen und Händewaschen, gründlicher als eine trockene Serviette. Besonders nach der Pizza-Pause Gold wert.

Im Endeffekt geht es nicht darum, den perfekten Spieleabend zu organisieren, bei dem niemand isst oder trinkt. Es geht darum, dass man am Ende des Abends lachen kann und die Spiele am nächsten Tag noch spielbar sind. Und dass meine Dixit-Karten sauber bleiben. (Ja, Stefan, das ist immer noch persönlich.)

Noch mehr Ideen für unkomplizierte Abende? Bei Spielen ohne Vorbereitung braucht ihr nicht mal Material, das dreckig werden könnte.

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