Spielkarten selber machen: Basteln, Drucken und der Weg zum eigenen Kartenspiel

Es fing mit einem Regennachmittag und Karteikarten an. Inzwischen haben wir ein Laminiergerät, einen Eckenrunder und drei selbst erfundene Spiele. Ich bereue nichts.

Nina Nina · · 7 Min. Lesezeit
Illustration: Familientisch mit selbstgemachten Spielkarten, Buntstiften, Schere und Laminiergerät

Wie alles anfing

Es war ein Samstagnachmittag im Februar, draußen Dauerregen, und Leni kam mit einer Packung blanker Karteikarten aus dem Arbeitszimmer. "Mama, können wir ein Spiel erfinden?"

Ich sagte ja, weil ich dachte, wir malen zehn Minuten auf Karten und dann ist gut. Drei Stunden später hatten wir 24 Memory-Karten auf dem Küchentisch und Theo hatte Filzstift im Gesicht.

Das war vor zwei Monaten. Inzwischen besitzen wir ein Laminiergerät.

Die erste Generation: Karteikarten und Buntstifte

Unser erstes selbstgemachtes Spiel war ein Memory. Leni (6) hat die Motive gezeichnet, Theo (4) hat die Karten "bemalt" (großzügig interpretiert). Wir haben einfach DIN-A7-Karteikarten aus dem Schreibwarenregal genommen, die es für unter zwei Euro gibt.

Die Regeln: Jedes Motiv zweimal zeichnen. Möglichst gleich aussehen lassen. Letzteres war bei Theo eher ein Vorschlag als eine Regel. Seine zwei "Katzen" sahen aus wie eine Katze und ein Busch. Wir haben trotzdem gespielt, und ehrlich gesagt war genau das der Witz. Niemand wusste, ob die Karte ein Hund oder ein Auto sein sollte, und alle haben gelacht.

Was mich überrascht hat: Die Kinder waren komplett bei der Sache. Nicht nur beim Basteln, sondern dann auch beim Spielen. Leni wollte sofort eine zweite Runde, und eine dritte. Das Spiel war ja ihres. Sie hatte es gemacht.

(Falls ihr auch Kinder habt, die sagen "Ich will nicht spielen" wenn man ein gekauftes Spiel vorschlägt, das aber nie sagen, wenn sie es selbst gebastelt haben: Willkommen im Club.)

Foto-Memory (der Dauerbrenner)

Nach dem Karteikarten-Erfolg war der nächste Schritt logisch: Fotos. Ich habe in einer ruhigen Minute 12 Familienfotos ausgedruckt, jedes doppelt. Urlaub, Haustiere, Oma und Opa, der Kindergarten-Schneemann vom letzten Winter. Auf 160-Gramm-Papier, weil normales Druckerpapier sich anfühlt wie ein feuchtes Taschentuch wenn man es als Spielkarte benutzt.

Leni liebt dieses Memory mehr als jedes gekaufte. Wenn sie die Karte mit dem Foto von unserem Kater Moritz umdreht, lacht sie jedes Mal. Jedes. Einzelne. Mal.

Für Theo habe ich eine einfachere Variante gemacht: Nur 5 Paare, alle offen hingelegt, er muss die Paare finden und zusammenlegen. Kein Merken, nur Zuordnen. Funktioniert erstaunlich gut als Einstieg.

Wir haben mittlerweile drei verschiedene Foto-Memory-Sets. Eins mit Familienfotos, eins mit Tieren aus dem Zoo, eins mit "Dingen in unserem Haus" (Theos Idee, erstaunlich witzig, enthält unter anderem "die kaputte Schublade" und "Papas Kaffeemaschine").

Das Equipment (oder: wie man 80 Euro für Karten ausgibt)

Nach dem fünften Memory-Set auf 160-Gramm-Papier, das nach zwei Wochen Eselsohren hatte, habe ich nachgegeben und Equipment gekauft. Jonas hat mich ausgelacht ("Für Kinderkarten?"). Jonas hat inzwischen selbst ein Quartett gebastelt.

Was wir angeschafft haben:

Unser Bastel-Equipment: Laminiergerät, Rollschneider und Eckenrunder

Laminiergerät (Olympia A 230 Plus Set, ca. 35 Euro): Kam als Set mit Schneide-Lineal und Eckenrunder. Die 125-Mikron-Folien sind dick genug, dass die Karten sich tatsächlich wie richtige Spielkarten anfühlen. Mein Tipp: Immer erst laminieren, dann schneiden. Nicht umgekehrt. (Ich habe es andersherum probiert. Die Folien kleben zusammen und man darf nochmal von vorn anfangen.)

Rollschneider (Dahle 507, ca. 25 Euro): Klingt übertrieben für Spielkarten, aber wenn man 48 Karten gerade schneiden will, verliert man mit Schere und Lineal den Verstand. Der Dahle schneidet millimetergenau und macht sogar Theo Spaß (unter Aufsicht).

Eckenrunder (Sunstar Kadomaru Pro, ca. 18 Euro): Rundet die Ecken ab wie bei gekauften Karten. Klingt nach Luxus. Ist Luxus. Aber die Karten sehen danach so gut aus, dass Leni sagt "Die sind wie echte!" und das allein war es mir wert.

Gesamtkosten: Ungefähr 80 Euro. Plus Laminierfolien, die ca. 8 Euro für 100 Stück kosten. Ja, ich habe eine Tabelle angefangen. Ja, das ist ein bisschen viel für selbstgemachte Kinderspiele. Nein, ich bereue nichts.

Tipps, die ich gerne vorher gewusst hätte

Ein paar Sachen, die ich durch Ausprobieren (und durch stundenlange Foren-Recherche auf unknowns.de) gelernt habe:

Papier: 160 bis 200 Gramm. Weniger ist zu dünn, mehr schafft der Drucker oft nicht. 160 g/m² funktioniert perfekt, wenn man laminiert. Ohne Laminierung lieber 200 g/m².

Beschichtetes Papier für Tintenstrahler. Auf normalem Papier verläuft die Tinte und die Farben sehen matschig aus. Beschichtetes Papier (steht "coated" oder "Inkjet-Papier" drauf) trocknet schnell und die Farben leuchten.

Druck-Einstellung auf "Beste Qualität". Klingt offensichtlich, habe ich trotzdem beim ersten Mal vergessen. Der Unterschied ist enorm.

Budget-Trick für Prototypen: Karte auf dünnes Papier drucken, in eine Kartenhülle stecken, zusammen mit einer alten Spielkarte als Verstärkung. Kostet fast nichts, fühlt sich aber wie eine richtige Karte an. Pennyhüllen (gibt es ab 2 Euro pro 100 Stück) reichen dafür völlig.

Beim Laminieren: Ränder lassen. Mindestens 5 mm Rand um die Karte herum, sonst löst sich die Folie an den Kanten und es kommt Feuchtigkeit rein. Habe ich auf die harte Tour gelernt.

Matte Folien statt glänzende. Weniger Spiegelung, die Karten rutschen nicht auf dem Tisch herum und sehen professioneller aus.

Was wir noch ausprobiert haben

Tier-Quartett mit eigenen Zeichnungen: 32 Karten, 8 Tiergruppen, Leni hat alle Tiere selbst gemalt. Die Kategorien auf jeder Karte (Größe, Geschwindigkeit, "Kuschelfaktor") hat sie mit mir zusammen festgelegt. Theos Lieblingskategorie: "Wie laut ist das Tier?" (Spoiler: Der Löwe gewinnt immer.)

Supertrumpf mit Familienmitgliedern: Jonas' Idee. Jedes Familienmitglied als Trumpfkarte mit Kategorien wie "Schuhgröße", "Anzahl Eiskugeln am Stück gegessen", "Wie lange kann er/sie still sitzen?". Theo hat bei "Wie laut?" den höchsten Wert. Er ist stolz darauf.

Print-and-Play-Spiele aus dem Internet: Es gibt eine riesige Community, die fertige Spiele zum Ausdrucken teilt. Asmodee bietet offizielle Print-and-Play-Versionen von Concept Kids, Dobble und anderen an (kostenlos, auch auf Deutsch). Und auf PnP Paradise findet man hunderte Spiele zum Durchstöbern. Für uns war das eine Goldgrube an verregneten Wochenenden.

Let's Fib zum Ausdrucken: Apropos Print-and-Play: Let's Fib hat einen eigenen Print-and-Play-Modus, bei dem man sich Karten generieren lassen und ausdrucken kann. Also das Partyspiel, das wir sonst auf dem Handy spielen (eine Wahrheit und Lügen mischen, die anderen müssen raten, 1 bis 20+ Spieler), gibt es auch als Kartenversion für den Tisch. Leni kann inzwischen gut genug lesen dafür, und wir haben uns direkt ein Set laminiert. Passt perfekt zum Thema, und man braucht ausnahmsweise mal kein Handy dafür.

Canva für die nächste Stufe: Wer vom Handmalen auf Gedrucktes umsteigen will, kann mit Canva (kostenlos) Spielkarten gestalten. Es gibt Vorlagen für Pokerkarten-Größe (63,5 × 88 mm), in die man eigene Bilder und Texte einfügen kann. Ich habe damit ein Geburtstagsgeschenk für Lenis Freundin gemacht: Ein personalisiertes Memory mit Fotos von deren gemeinsamen Erlebnissen. Die Mama der Freundin hat gefragt, wo man das kaufen kann. (Unbezahlbar.)

Lohnt sich das?

Wenn ich ehrlich bin: Die selbstgemachten Karten sind nicht so schön wie gekaufte. Theos Zeichnungen sind charmant, aber nicht symmetrisch. Die Laminierung hat manchmal Luftblasen. Und ein paar Karten haben den falschen Rand.

Aber das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist, dass Leni jetzt "Können wir ein Spiel erfinden?" fragt statt "Können wir Fernsehen?". Dass Theo abends seine selbstgemalten Karten unter dem Kopfkissen hat (er hat sein Lieblings-Memory-Paar ausgewählt: zweimal Kater Moritz). Dass Jonas und ich abends am Tisch sitzen und ein Quartett über unsere Nachbarschaft entwerfen, während die Kinder schlafen.

Das Basteln ist bei uns mindestens genauso viel Spieleabend wie das Spielen selbst. Und ja, 80 Euro für Equipment klingt viel. Aber wir haben damit bisher sechs Spiele gebastelt, die alle regelmäßig gespielt werden. Versucht das mal mit einem gekauften Spiel, das nach der zweiten Partie im Regal verstaubt. Wer nach unkomplizierten Familienspielen sucht, wird dort fündig. Und wer den nächsten Spieleabend planen will, findet dort Ideen.

(Und falls jemand ein Laminiergerät-Empfehlung sucht: Das Olympia-Set ist wirklich gut für den Einstieg. Nicht perfekt, aber gut genug. Und die Kinder lieben es, die Karten reinzuschieben und zuzuschauen, wie sie glänzend rauskommen. Theo nennt es "die Kartenmaschine".)

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