Regentag mit Kindern gerettet: Drei Spiele gegen Langeweile

Es regnete seit acht Uhr morgens. Durchgehend. Leni fragte dreimal, ob wir rausgehen können. Theo malte ein Bild vom Regen und wurde dabei traurig. Dann holte ich die Spielekiste.

Nina Nina · · 6 Min. Lesezeit
Gemütliche Familienszene am Esstisch bei Regenwetter, Kinder und Eltern über einem Brettspiel gebeugt, Regen am Fenster

Der Samstag

Eigentlich war Spielplatz geplant. Samstag, zehn Uhr, der große mit der Seilbahn. Leni hatte sich extra die Gummistiefel rausgestellt. Dann: Regen. Nicht dieser nette Nieselregen, bei dem man sagen kann "Ach, ein bisschen Wasser". Regen, der auf die Fenster trommelt und nicht aufhört.

Theo stand am Fenster und hat eine Weile zugeschaut. Dann: "Mama, der Regen ist gemein." Leni, pragmatischer: "Können wir was anderes machen?" Jonas war arbeiten, also: ich, zwei Kinder, ein regnerischer Samstag, und die leise Panik, dass es erst halb zehn ist.

Fernsehen hatten wir schon beim Frühstück gehabt (ja, manchmal läuft am Samstagmorgen was, Elternpolizei bitte weitergehen). Malen war nach zwanzig Minuten erledigt. Duplo nach fünfzehn. Und dann stand ich vor dem Regal und mein Blick blieb an der Spielekiste hängen.

Nicht die Spielekiste mit Mensch-ärgere-dich-nicht und dem Puzzle mit den fehlenden Teilen. Die andere. Die mit den drei Spielen, die ich in den letzten Monaten leise gesammelt hatte. Für genau solche Tage.

Verfuxt! (der Stimmungsretter)

Zehn Uhr. Beide Kinder auf dem Sofa, leicht nörgelig. Ich legte Verfuxt! auf den Tisch und sagte: "Wir müssen einen Kuchendieb finden." Theo war sofort da.

Das Prinzip: Ein Fuchs hat den Kuchen gestohlen und alle suchen gemeinsam, welcher Fuchs es war. Man würfelt, sammelt Hinweise, und steckt sie in einen kleinen Scanner (eine Plastikröhre, durch die man die Hinweiskarten schiebt). Der Scanner zeigt dann: Hat der Verdächtige eine Brille? Einen Schal? Eine Blume? Stück für Stück fallen Verdächtige weg.

Zwei Kinder und eine Mutter beugen sich über ein Brettspiel mit bunten Fuchs-Verdächtigen

Leni übernahm den Scanner. Sofort. Sie schob die Karte rein, drehte die Röhre, schaute, verkündete das Ergebnis. Theo war für die Würfel zuständig. Ich durfte die Verdächtigen umdrehen, die ausschieden.

"Der mit dem Hut war es NICHT!" Leni, triumphierend. Theo schob den Fuchs mit dem Hut zur Seite und legte ihn auf den Bauch. "Der schläft jetzt."

Wir brauchten drei Versuche für den ersten Fall. Beim zweiten war Theo schneller mit dem Ausschlussverfahren als ich (er hatte sich die Merkmale gemerkt, während ich noch die Karte suchte). Beim dritten bestand Leni darauf, den Täter alleine zu benennen, bevor wir den letzten Hinweis prüften. Sie lag richtig. Der Stolz in ihrem Gesicht.

Das Kooperative macht den Unterschied. Kein Streit, kein "Du hast gewonnen und ich nicht". Alle gegen den Fuchs. Und der Scanner ist für Kinder einfach magisch. Theo wollte ihn danach als Lupe benutzen. (Hat nicht funktioniert, aber er hat es versucht.)

Verfuxt! Der Stimmungsretter 2–4 Spieler · 15–20 Min.
  • Kooperativ, alle suchen gemeinsam
  • Der Würfel-Scanner fasziniert jedes Kind
  • Ab 5 Jahren wirklich spielbar
  • Maximal 4 Spieler
  • Wenn man den Mechanismus kennt, wird es etwas leichter

Dragomino

Halb zwölf. Draußen immer noch Regen. Drinnen: gute Stimmung, und ich wollte sie halten. Dragomino lag bereit.

Dragomino ist ein Legespiel. Man wählt Plättchen aus einer Auslage und legt sie an sein eigenes Gebiet an. Passt eine Landschaft an eine gleiche Landschaft (Eis an Eis, Vulkan an Vulkan), darf man ein Drachenei umdrehen. Manchmal schlüpft ein Drache. Manchmal eine leere Schale.

Klingt wenig aufregend? Das dachte ich auch. Bis Theo sein erstes Ei umdrehte.

"DRACHE! Mama, ein DRACHE!" Er hielt die Pappscheibe hoch, als hätte er Gold gefunden. Leni drehte ihres um. Leere Schale. Stille. Dann: "Nächstes Mal." (Ihre Lippen sagten das. Ihre Augen sagten etwas anderes.)

Was mich überrascht hat: die Kinder planten. Nicht nur "ich nehme das hübsche Plättchen", sondern "wenn ich das Vulkanstück nehme, passt es an ZWEI Seiten". Leni arrangierte ihr Gebiet sorgfältig, drehte Plättchen hin und her bevor sie sich entschied. Theo war impulsiver (er nahm meistens das Plättchen mit dem Drachen drauf), aber auch bei ihm sah ich das Überlegen.

Zweite Partie. Leni hatte am Ende sieben Drachen, Theo fünf, ich drei. Ich hatte tatsächlich versucht, gut zu spielen. Nicht ironisch. Sie waren einfach besser. Theos Kommentar: "Mama, du brauchst mehr Vulkane." Danke, Theo.

Das Material ist wunderschön. Die Plättchen dick, die Drachen bunt, alles liegt gut in Kinderhänden. Und es ist leise, auf eine angenehme Art. Kein Geschrei, kein Wettrennen. Jeder baut an seiner eigenen kleinen Drachenlandschaft.

Dragomino Das stille Highlight 2–4 Spieler · 15–20 Min.
  • Kinder treffen eigene Entscheidungen
  • Wunderschönes Material
  • Kinderspiel des Jahres 2021
  • Wer das Domino-Prinzip nicht kennt, braucht eine Runde zum Verstehen
  • Manchmal Frust wenn kein Drache schlüpft

Zauberberg

Nach dem Mittagessen (Nudeln, was sonst an Regentagen). Theo hatte einen kurzen Durchhänger ("Ich will RAUS"), aber dann sagte Leni: "Mama, das mit den Murmeln?" Sie hatte die Schachtel gesehen.

Zauberberg sieht erst mal nach mehr aus als es ist. Ein 3D-Spielplan, ein Berg aus Pappe, Murmeln die von oben nach unten rollen. Aber die Regeln sind einfach: Gemeinsam müssen die Zauberlehrlinge den Berg hinunter, bevor die Hexen sie einholen. Man lässt Murmeln rollen, und je nachdem welche Figur sie berühren, bewegt sich ein Lehrling oder eine Hexe.

Kinder lassen Murmeln einen bunten 3D-Spielberg hinunterrollen, aufgeregte Gesichter

Die erste Murmel rollte, traf den blauen Lehrling, und Theo sagte: "JA!" Dann rollte die nächste, traf eine Hexe, und Theo sagte: "NEIN!" Das war im Grunde die nächsten zwanzig Minuten: JA und NEIN, abwechselnd, mit steigender Intensität.

Leni wurde strategisch. "Wenn wir die Murmel hier oben loslassen, trifft sie eher den roten Lehrling." Sie hatte recht. Meistens. Manchmal rollte die Murmel in eine völlig unerwartete Richtung und alle schrien gleichzeitig. (Die Nachbarn unter uns haben sich wahrscheinlich gefragt, was los ist.)

Erste Partie: verloren. Eine Hexe war schneller. Theo nahm es erstaunlich gelassen. "Nochmal." Zweite Partie: gewonnen, knapp, der letzte Lehrling rutschte im letzten Zug ins Ziel. Leni sprang auf. Theo klatschte. Ich hatte einen Kloß im Hals, was vermutlich übertrieben ist bei einem Kinderspiel, aber dieser Moment, wenn alle gleichzeitig jubeln.

Das Besondere an Zauberberg: Die Murmeln. Kinder lieben Murmeln. Das ist offenbar ein Naturgesetz. Und zuzuschauen wie sie den Berg hinunterrollen, nicht zu wissen welche Figur sie treffen, dieses Warten, das ist aufregender als jeder Würfel.

(Einziges Problem: Eine Murmel rollte vom Tisch und unter die Couch. Theo robbte hinterher. Es dauerte. Aber er kam zurück, triumphierend, Murmel in der Faust.)

Zauberberg Der Wachmacher 1–4 Spieler · 15–25 Min.
  • Murmeln rollen lassen, purer Nervenkitzel
  • Kooperativ, alle fiebern mit
  • Kinderspiel des Jahres 2022
  • Braucht Platz auf dem Tisch
  • Murmeln landen gelegentlich auf dem Boden

Was ich gelernt habe

Um drei hörte der Regen auf. Die Kinder standen am Fenster, schauten raus, und Leni sagte: "Können wir noch ein Spiel spielen?" Nicht "Können wir raus?". Das war der Moment.

Regentage mit Kindern müssen keine Katastrophe sein. Aber sie brauchen einen Plan. Nicht den durchgetakteten Pinterest-Plan mit 47 Aktivitäten und selbstgemachter Knete. Eher den Plan, der aus drei guten Spielen besteht und dem Wissen, wann man welches rausholt.

Verfuxt für den Anfang, wenn die Stimmung noch wackelt. Gemeinsam suchen, gemeinsam finden, niemand verliert. Dragomino für die Mitte, wenn alle angekommen sind und Ruhe reinkommt. Zauberberg für den Moment, wenn es wieder Energie braucht.

Wer übrigens nach dem Spielenachmittag noch Lust hat und die Kinder schon etwas älter sind: Bei Let's Fib können 1 bis 20+ Spieler direkt vom Handy aus gegeneinander antreten, Fake-Antworten schreiben und sich gegenseitig reinlegen. Funktioniert auch prima als Abendrunde, wenn die Kleinen im Bett sind.

Oder man macht es wie Theo und spielt alles dreimal hintereinander. Funktioniert auch.

Mehr Ideen für Familienspiele, die sofort losgehen? Oder Tipps, wie man einen Spieleabend richtig plant? Ich bin für alles dankbar, das ohne Bildschirm funktioniert.

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